Sonnige Terrassen in Wien: Ein Leitfaden von Bezirk zu Bezirk
Entdecken Sie die besten sonnigen Terrassen in Wien. Von der Ringstraße bis zum Naschmarkt — finden Sie sonnendurchflutete Schanigärten in der ganzen Stadt.
Wiens Schanigarten-Kultur und die Sonne
Wien liegt auf 48,2 Grad nördlicher Breite, was für ausgeprägte Jahreszeiten mit moderaten Sonnenwinkeln sorgt. Im Hochsommer erreicht die Sonne etwa 65 Grad über dem Horizont, was relativ kurze Gebäudeschatten und lange, warme Tage mit Licht bis nach 21:00 Uhr ergibt. Im Mittwinter klettert die Sonne kaum auf 18 Grad, wirft selbst mittags lange Schatten und macht sonnige Terrassen zu einem seltenen und kostbaren Gut. Das Wiener Wort für eine Außenterrasse ist "Schanigarten" — ein Begriff, der einzigartig für Österreich ist — und diese Räume sind von etwa April bis Oktober in das tägliche Leben eingewoben.
Wiens Grundriss wird durch die Ringstraße definiert, den Prachtboulevard, der den alten ersten Bezirk umschließt, wo einst die mittelalterlichen Stadtmauern standen. Innerhalb des Rings sind die Straßen mittelalterlich geprägt — eng, verwinkelt und oft tief beschattet. Außerhalb des Rings öffnet sich die Stadt mit breiteren Boulevards, großzügigen Plätzen und den großen Gründerzeit-Wohnhäusern. Dieses Verständnis ist der Schlüssel zum Finden sonniger Terrassen: Der erste Bezirk hat Charme, aber begrenzte Sonne, während die Gebiete knapp außerhalb des Rings oft bessere Sonnenexposition bieten.
Der 1. Bezirk und die Ringstraße
Die Innere Stadt, Wiens historischer erster Bezirk, ist ein dichtes Geflecht aus engen Gassen und prächtigen Gebäuden. Hier konstant Sonne zu finden, erfordert Kenntnis der richtigen Spots. Der Stephansplatz, der zentrale Platz um den Stephansdom, ist überraschend sonnig, weil der Platz groß genug ist und die Gebäude auf der Südseite zurückgesetzt sind, sodass die Mittagssonne die Terrassen am nördlichen und westlichen Rand erreicht. Der Dom selbst wirft jedoch einen massiven Schatten nach Norden, sodass Terrassen direkt hinter dem Dom den größten Teil des Tages beschattet sind.
Am Hof, einer der größten Plätze im ersten Bezirk, ist ein exzellenter Sonnenplatz. Dieser breite mittelalterliche Platz ist von Gebäuden moderater Höhe umgeben, und Terrassen auf der südwärts gerichteten Nordseite bekommen von am späten Vormittag bis zum Nachmittag Sonne. Der Judenplatz in der Nähe ist ein weiterer Geheimtipp — ein kleinerer Platz, dessen Terrassen am nördlichen Rand wunderbar Nachmittagssonne einfangen.
Entlang der Ringstraße selbst verbessert sich die Situation dramatisch. Dieser Boulevard ist etwa 57 Meter breit, was bedeutet, dass selbst die hohen flankierenden Gebäude die gegenüberliegende Seite während des größten Teils des Tages im Frühling und Sommer nicht beschatten können. Die Terrassen entlang des Rings — besonders beim Volksgarten, dem Burgtheater und der Universität — profitieren von dieser Breite. Der Volksgarten selbst, mit seinem Rosengarten-Café, ist einer der zuverlässigsten Sonnenspots im Zentrum Wiens.
Naschmarkt und der 4. bis 6. Bezirk
Der Naschmarkt, Wiens berühmtester Freiluftmarkt, erstreckt sich über etwa 1,5 Kilometer entlang der Wienzeile im 4. und 6. Bezirk. Der Markt sitzt auf dem überdeckten Wienfluss, und der breite Raum zwischen den Gebäuden auf beiden Seiten schafft einen Lichtkorridor. Die Restaurantterrassen am östlichen Ende des Naschmarkts — nahe dem Karlsplatz — sind besonders gut für Sonne positioniert. Sie blicken nach Süden über den offenen Marktraum, und die Gebäude auf der Nordseite (6. Bezirk) sind weit genug entfernt, um erst am späten Nachmittag Schatten zu werfen.
Das MuseumsQuartier verdient besondere Erwähnung. Der große zentrale Innenhof des MQ ist bei warmem Wetter ein berühmter Treffpunkt. Der Hof ist von Gebäuden umgeben, aber da er etwa 60 mal 90 Meter misst und die umgebenden Strukturen nur etwa 15 bis 20 Meter hoch sind, erreicht Sonnenlicht den Innenhof den größten Teil des Tages im Sommer. Die bunten "Enzos" — die großen geometrischen Außenmöbel — werden an warmen Nachmittagen zu den beliebtesten Sonnenbad-Plätzen der Stadt.
Donaukanal und der 2. Bezirk
Der Donaukanal hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten von einem vernachlässigten Wasserweg in Wiens lebendigste Outdoor-Sozialszene verwandelt. Der Kanal verläuft grob von Nordwest nach Südost durch die Stadt, und das nach Süden ausgerichtete Ufer auf der Nordseite (die Seite des 2. Bezirks) bekommt hervorragende Sonnenexposition. Bars und Pop-up-Strandclubs — wie die Strandbar Herrmann, Tel Aviv Beach und Adria Wien — säumen dieses Ufer in den Sommermonaten, mit Liegestühlen direkt am Wasser. Da der Kanal breit ist und in vielen Abschnitten keine hohen Gebäude direkt am Südufer stehen, genießen diese Terrassen Sonne vom Vormittag bis zum Sonnenuntergang.
Das Prater-Gebiet im 2. Bezirk bietet ein völlig anderes Sonnenerlebnis. Die offenen Wiesen des Parks — die Jesuitenwiese und die Bereiche nahe dem Lusthaus — bieten ungehinderte Sonne. Das Schweizerhaus Biergarten hat eine große Terrasse, die in den Bereichen abseits der Kastanienbäume gute Sonne bekommt.
Heurige, Außenbezirke und saisonale Tipps
Kein Führer zu Wiens sonnigen Terrassen wäre komplett ohne die Heurigen — traditionelle Weinschenken, die hauptsächlich in den Weinbaubezirken am Stadtrand zu finden sind. Bezirke wie Grinzing (19. Bezirk), Stammersdorf (21. Bezirk), Neustift am Walde (17. Bezirk) und Nussdorf haben Heurige mit großen Gartenterrassen, die oft nach Süden über Weinberge blicken. Dies sind die sonnigsten Terrassenerlebnisse in Wien, da die umgebende Landschaft offener Weinberg und Hang ist statt dichter Häuserblocks. Die Heurigen-Terrassen am Kahlenberg und Leopoldsberg bieten Panoramablick über das Donautal mit völlig ungehinderter Sonne von ihren Gipfelpositionen.
Wiens Terrassensaison läuft von April bis Oktober, mit dem Höhepunkt im Juni und Juli. Die Lage der Stadt bedeutet, dass Sommertage lang sind — Sonnenuntergang ist Ende Juni nach 21:00 Uhr. Im Frühling und Herbst sind nach Süden ausgerichtete Terrassen unerlässlich, weil die tiefere Sonne bedeutet, dass nach Norden ausgerichtete Spots sehr wenig direktes Licht bekommen. Viele Wiener Cafés bieten Decken und Heizstrahler, um die Saison in kühlere Monate auszudehnen. Coffee in the Sun zeigt Ihnen zu jeder Jahreszeit genau, wo Gebäudeschatten über Wiens Straßen und Plätze fallen, und hilft Ihnen, den perfekten Schanigarten zu finden — ob Sie mit einer Melange in der Sonne baden oder einen schattigen Platz für einen kühlen Spritzer an einem heißen Sommernachmittag suchen möchten.